10.06. - 17.06.2018 Wanderwoche Auvergne – Zentralmassiv in Frankreich

– im Naturpark der Vulkane der Auvergne –

Auvergne par Excellence

 

Die Auvergne, nördlicher Teil des französischen Zentralmassivs wird von ihren wunderbaren Puys (baumfreie Kuppen) bestimmt. Der Vulkanismus in der Auvergne im Gebiet von Monts Dore (Sancy-Massiv) war im Tertiär, also vor mehr als 30 Mio. Jahren. Der Mont Dôme-Vulkanismus ist sehr viel jünger, vor ca. 10.000 Jahren

Hier hatte sich Ratold Moriell, Wanderführer und Ehrenvorsitzender des Schwarzwaldvereins Emmendingen das Ziel gesetzt, eine Wanderwoche zu planen und vom 10. bis 17.6.2018 durchzuführen.

1.Tag

Die Fahrt führte von Emmendingen über die Autobahn bis nach Beaune. Eine Stadtbesichtigung mit dem berühmten Hôtel Dieu stand natürlich auf der Agenda.

Weiter ging die Fahrt über Chalon-sur-Saône, die N 80 – N 70 – Parayle-Monial – N 79 – Montmarault – A 71 – A 89 (Richtung Bordeaux), um das Zentralmassiv zu erreichen. Hier steigt die Autobahn aus der Ebene von ca. 400 m auf über 1.100 m an.

In le Mont-Dore (1.050 m), einem wunderschön gelegenen Kurort im Departement Puy de Dôme, machte die 42-köpfige Wandergruppe im „Hotel du Parc“ Station.

Kurz vor Ankunft ging ein mächtiger Hagelschauer nieder, welches den prächtigen Blumenschmuck mehr als zerzauste.

Der großartige Speisesaal des Hotels mit seinen hohen Wänden und Stuckverzierungen ließ die Zeit der Belle Époque erahnen und aufleben.

Nach dem erlesenen Abendessen erklärte Ratold der Gruppe das Wanderprogramm des nächsten Tages.

Das wiederholte sich an jedem Wandertag nach dem Abendessen.

2

2.Tag

Am Montag, dem ersten Wandertag stand der Puy „La Banne (Horn) d´Ordanche auf dem Programm.

Da der Gruppe der Reisebus zur Verfügung stand, startete die starke Wandergruppe um Ratold an einen Wanderparkplatz in 1.145 m NN, um auf den 1.512 m hohen Puy „La Banne d´Ordanche“ zu kommen. Die zweite Wandergruppe wurde von Gunter Schmidt geführt und durfte bis zu einer Höhe von 1.350 m fahren, um von hier den Puy zu erreichen. Vom Puy ging die Wanderung dann zum Lac de Guéry und Col de Guéry, wo der Bus auf die Gruppen wartete.

Von hier oben genießt man einen fantastischen Blick den „Roche Tuiliére (Phonolith) und Roche Sanadoire“ (Basalt). Anschließend war Kultur angesagt und die Fahrt führte zu einer der 5 weltberühmten romanischen Kirchen aus der Bauphase des 10. bis 13. Jahrhunderts in der Auvergne. Eines dieser Kleinode ist „Orcival“. In einem kleinen Ort, erhebt sich diese mächtige Kirche mit ihrer Schlicht- und Erhabenheit. Mit Clermont-Ferrand ist diese Kirche der bedeutendste Wallfahrtsort in der Auvergne. Nach Rückkehr in Mont-Dore, stand als letzter Programmpunkt die Besichtigung der Therme an. Das 1817 errichtete Kurhaus wurde Ende des 19. Jahrhundert im neobyzantinischen Stil umgebaut. Es enthält mehrere Säle, Mosaiken, Rundbögen und Säulen und Reste der römischen Thermen. Leider ist nicht zu verkennen, dass hier die Zeit stehengeblieben ist. Es fehlen ein Thermalschwimmbad und ein Wellness-Bereich.

3.Tag

Der zweite Wandertag führte die Gruppen auf den-meistgenannten Berg der Auvergne, den Puy de Dôme. Mit der Panoramique des Dômes, einer 5,1 km langen Zahnradbahn ging es hinauf zur 1.406 m hoch gelegenen Bergstation. Die letzten Meter zum 1.465 m hohen Gipfel waren leider durch Nebelschwaden getrübt. Nach der kurzen Besichtigung des Gipfels,

begann ein Abstieg, der durch eine Treppengalerie (ehemalige Eisenbahnschwellen) von ca. 400 Stufen seinen Verlauf nahm. Über mehrere kleinere Puys wurde der Puy Pariou (1.164 m) mit seiner markanten Caldera erreicht, um dann nach einer schönen Abstiegswanderung an einem Parkplatz unseren Reisebus zu erreichen.

Der Nachmittag war für eine Stadtführung in deutscher Sprache in Clermont-Ferrand reserviert.

Hier konnten die Wanderer neben der Basalt-Gotik-Kathedrale auch die zweite romanische Kirche,

Notre-Dame-du-Port besichtigen.

4.Tag

Der dritte Wandertag hatte es in sich!

Dieser Tag war als busfreier Tag deklariert und alles musste gelaufen werden.

Die starke Wandergruppe stieg vom Hotel (1.050 m) auf zum Plateau de Durbise (1.438 m). Vorbei am La Grande Cascade (1.284 m-Wasserfall) wurde das schweißtreibende Plateau erreicht.

Die Gruppe Gunter erreichte das Plateau über ein Taxi.

Nun begann für beide Gruppen der Aufstieg über 4 Puys (de l´Angle 1.738 m, de Barbier 1.703 m, de Monne 1.660 m, de la Tache 1.629 m).

Beim ersten Anstieg zur „Engelskuppe“ musste eine riesige Schafherde (ca. 1.500 Tiere) passiert werden.

Leider war dieser Tag nicht von guter Aussicht gesegnet, denn immer wieder zog der Nebel herauf und versperrte die herrliche Aussicht Richtung Puy de Dôme, Clermont-Ferrand und das Sancy-Massiv. Beim Abstieg zum Col de la Croix Morand (1.400 m) begleitete die Gruppen auf dem letzten Kilometer ein rosafarbiger Weidezaun. Nach einer Rast in der Ferme auf dem Col ging die Wanderung an 2 Wasserfällen (Cascade du Rossignolet und du Queureuilh) vorbei zurück nach le Mont-Dore. 16,5 km und ca. 890 m Auf- und Abstiege lagen hinter der Gruppe Ratold.

5.Tag

Der vierte Wandertag, der schönste Tag der Woche, sollte auch der Höhepunkt der Wanderwoche werden. Die Gruppen fuhren mit dem Bus zur Skistation „Mont-Dore (1.325 m)“, wo die Gruppe Gunter die Seilbahn als Aufstiegshilfe benutzte, um den Puy de Sancy zu erreichen. Die Gruppe Ratold stieg durch das Val de Courre mit seinen Felsnadeln zum Col de Courre (1.722 m) auf. Beim Aufstieg waren es unglaublich Blickerlebnisse, die diesen schweißtreibenden Aufstieg bei herrlichem Sonnenschein mehr als erträglich machten. Über eine leichte Kraxelpassage wurde der Sattel zum Puy de Sancy (1.886 m), dem höchsten Berg des Zentralmassiv erreicht. Jetzt waren 520 Holzbohlenstufen an der Reihe, um den Gipfel zu erreichen. Eine herrliche 360° Rundumsicht war die Belohnung.

Der Abstieg erfolgte über den Col de la Cabane zum Col du Couhay, wo eine Rast eingelegt wurde. Bei dieser Wanderung mussten zahlreiche Firnschneefelder über- und durchquert werden, denn man befand sich jetzt im Bereich der Skistation Super-Besse, einer Retortenstadt, die 1961 auf dem Reißbrett entstanden und gebaut wurde. Nach knapp einer Stunde wurde dann Super-Besse (bereits viermal Etappenziel der Tour de France) erreicht. Vorher musste jedoch noch einer großen Schafherde der Vortritt gelassen werden.

Super-Besse ist im Sommer eine Geisterstadt mit 15.000 Betten. Alles war geschlossen, auch die Toiletten im Touristikcenter. Glücklicherweise hatte unser Busfahrer entsprechende, gekühlte Getränke anzubieten.

Von Super-Besse ging die Fahrt zum Lac Pavin, den man dann auch in einer kleinen Wanderung umrundete. Der Tag klang in der alten Stadt Besse mit einer Besichtigung aus.

6.Tag

Der fünfte Wandertag, im Naturschutzgebiet Chastreix-Sancy, führte die Gruppen ins Vallée de la Fontaine Salée (Tal der salzigen Quelle). Die Gruppe Ratold wollte zunächst noch den Aufstieg zum Roc Courlande nehmen, aber wegen Nebelschwaden und beginnenden Regens, entschloss man sich, den Wanderverlauf zu ändern. Nach dem Zusammenschluss mit der Gruppe Gunter, wurde dann punktgenau das vereinbarte Wanderziel in La Morangie mit dem wartenden Bus erreicht.

Weiter ging die Fahrt zum Dordogne-Stausee bei Bort-les-Orgues, wo die Staumauer besichtigt wurde. Die Dordogne entspringt im Gemeindegebiet von le Mont-Dore am Puy de Sancy, aus den Quellbächen Dore und Dogne und bildet dann einen 483 km langen Fluss, der nahe Bordeaux mit der Garonne einen Mündungstrichter, die Gironde bildet und in den Atlantik mündet.

Weiter ging es zu den Phonolitsäulen oberhalb von Bort-les-Orgues, die leider nicht besichtigt werden konnten, da aus Sicherheitsgründen der Weg gesperrt war. Der Abschluss dieses Tages war das am Dordogne-Stausee gelegene Wasserschloss Château de Val, welches ausgiebig besichtigt wurde.

7.Tag

Der Samstag führte die Gesamtgruppe ins Naturschutzgebiet Vallée de Chaudefour. Herrliche Ausblicke auf das Sancy-Massiv verwöhnten die Augen. Die Gruppe Gunter nahm den Weg bis zu eisenhaltigen „Anna-Quelle“. Die Gruppe Ratold stieg jedoch weiter hinauf zur Cascade de la Biche (1.400 m) und dann ging es wieder zurück zum Bus.

Weiter ging die Fahrt zum Lac Chambon, der von der Gruppe Gunter umrundet wurde. Am anderen Seeufer stand dann der Bus, der diese Gruppe wieder aufnahm.

Die Gruppe Ratold stieg zum Dent du Marais auf und weiter über einen Höhenrücken (1.056 m) zum Schloss Murol, wo sich beide Gruppen wieder trafen, die eine per pedes und die andere mit dem Bus.

Nach einer ausgiebigen Schlossbesichtigung mit ihren unglaublichen dicken Mauern, wurde die 3. romanische Kirche in St. Nectaire besichtigt.

Der Abschluss des Tages war dem Besuch einer Bio-Käserei „La Bellonte“ (Ferme) gewidmet.

Hier musste der Bus eine halsbrecherische Umleitung fahren, um das Ziel (20 Einwohner und 120 Kühe) zu erreichen.

8.Tag und Rückfahrt

Die Rücktour am Sonntag führte die Gruppe über eine zunächst andere Reiseroute.

In der alten Messerstadt Thiers (das französische Solingen), wurde eine Stadtbesichtigung anberaumt. Leider war es der Gruppe nicht vergönnt, hier eine entsprechende Stadtführung zu erhalten. Diese alte, an einem Hang gelegene Messerstadt mit ihren verwinkelten Gassen zeigt aber auch unumwunden Defizite dieser Stadt auf. Es fehlt einfach an Geld, um diese ganz bestimmt tolle Stadt wieder in einen guten Zustand zu versetzen.

Über eine neue Autobahn Richtung Lyon, Mâcon, Beaune, Mulhouse erreichte die Wandergruppe das Elsass und in Burnhaupt-le-Haute wurde die Abschlusseinkehr eingelegt.

Nach einer langen Fahrt erreichte die Gruppe erschöpft aber glücklich Emmendingen.

Für die Wandergruppe war diese Woche „Auvergne par Excellence“.

Deshalb lieber Ratold, herzlichen Dank für die hervorragende Ausarbeitung der Reise und der Wanderrouten! Ebenfalls Dank an Gunter, der sich spontan bereit erklärte, die 2. Wandergruppe zu führen.

 

Zu allen diesen Wanderungen, sowie anderen Exkursionen, wurden wir von einem exzellenten Busfahrer chauffiert. Unserem Busfahrer, Herr Koch, gilt der besondere Dank für seine umsichtige, einfühlsame und tolle Fahrweise.

 

                                                                           Bilder: Gabi, Isolde, Gerhard, Lutz und Wieland

                                                                           Text:    Wieland

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